
Der Umgang mit an Demenz erkrankten Personen erfordert viel Geduld, Einfühlungsvermögen und Verständnis. Nicht nur das pflegende Personal ist hier gefordert, auch die Angehörigen können durch ihr Verhalten dem Betroffenen helfen und ihn unterstützen. In unseren Pflegedomizilen in Tschechien, Ungarn und der Slowakei stellen wir fest, dass die Krankheit nicht nur die betroffene Person verändert, sondern auch die Angehörigen vor viele Herausforderungen stellt. Hier sind einige wichtige Punkte und Empfehlungen, wie man empathisch mit Demenzkranken umgehen kann:
• Ruhe bewahren: Demenzkranke haben oft Schwierigkeiten, sich an Dinge zu erinnern oder sich auszudrücken, so ist es ihnen nicht möglich für scheinbar einfache Begriffe das richtige Wort zu finden. In solchen Fällen ist es wichtig, ruhig zu bleiben und nicht zu drängen, auch wenn dadurch die Gespräche oder Handlungen langsamer vonstattengehen.
• Akzeptanz: Erkennen, dass die betroffene Person sich nicht absichtlich falsch verhält. Verhaltensweisen, die unangemessen oder verwirrend erscheinen, sind oft Symptome der Demenz.
• Lächeln und positive Gestik: Nonverbale Kommunikation kann oft hilfreicher sein als Worte. Ein Lächeln, eine beruhigende Geste oder ein Augenkontakt kann Vertrauen und Sicherheit vermitteln.
• Aktiv zuhören: Auch wenn das, was die Person sagt, unklar ist oder sich wiederholt, ist es wichtig, zuzuhören und Interesse zu zeigen. Sie fühlen sich wertgeschätzt, wenn ihre Worte gehört werden.
• Vermeidung von Korrekturen: Wenn jemand mit Demenz eine falsche Information gibt oder sich an Details nicht erinnert, ist es oft besser, nicht zu korrigieren. Stattdessen kann man die Unterhaltung in eine andere Richtung lenken, ohne die Person zu verunsichern. Ein ständiges Korrigieren der Aussagen des Betroffenen können dazu führen, dass er sich mehr und mehr zurückzieht und die Kommunikation einstellt.
• Klar und einfach sprechen: Verwenden Sie einfache Sätze, klare Fragen und eine ruhige, langsame Sprache. So kann die Person das Gespräch besser verfolgen.
Bei Fragen sollten vor allem solche gestellt werden, die eine Antwort mit „Ja“ und „Nein“ ermöglichen. Vor allem Erkrankte mit Wortfindungsstörungen können so stressfreier eine Unterhaltung führen.
• Routine und Struktur: Menschen mit Demenz fühlen sich oft sicherer, wenn sie eine regelmäßige Tagesstruktur haben. Wichtige Aktivitäten wie Essen, Schlafen und Medikamenteneinnahme sollten immer zur gleichen Zeit stattfinden.
• Kognitive Stimulation: Fördern Sie Aktivitäten, die das Gedächtnis und das Denkvermögen anregen, wie z.B. einfache Gedächtnisspiele, Lesen, Musikhören oder Gespräche über vergangene Zeiten. Ein Fotoalbum mit Fotos aus früheren Tagen ist dazu ein gutes Hilfsmittel.
• Bewegung und frische Luft: Körperliche Aktivität kann das Wohlbefinden fördern. Spaziergänge oder einfache Übungen sind wichtig für die Gesundheit und können auch die Stimmung heben.
• Sicherheit zu Hause schaffen, z.B. bei Besuchen: Überprüfen Sie, ob die Wohnung oder das Haus sicher ist (z.B. Stolperfallen vermeiden, scharfe Gegenstände sichern) und stellen Sie sicher, dass die Person nicht unbeaufsichtigt in gefährliche Bereiche gelangt.
• Konfrontationen und Diskussionen: Versuchen Sie nicht, mit der Person zu streiten oder ihr zu beweisen, dass sie sich irrt. Dies führt nur zu Frustration auf beiden Seiten. Stattdessen kann ein sanfter, einfühlsamer Ansatz helfen.
• Überforderung und Stress: Vermeiden Sie es, die Person mit zu vielen Informationen oder Entscheidungen zu überfordern. Geben Sie ihr genug Zeit, um zu reagieren, und lassen Sie die Person nicht das Gefühl haben, unter Druck zu stehen.
• Isolation: Demenzkranke sollten nicht in Isolation gehalten werden. Es ist wichtig, soziale Kontakte aufrechtzuerhalten, sei es durch Besuche, Anrufe oder gemeinsames Erleben von Aktivitäten. Isolation kann zu Depressionen und Angstzuständen führen.
Ein empathischer Umgang mit Demenzerkrankten erfordert Flexibilität und viel Verständnis. Jeder Mensch ist anders, und die Krankheit kann in verschiedenen Phasen unterschiedliche Auswirkungen haben. Eine respektvolle Haltung und ein liebevoller Umgang können dem Demenzkranken dabei helfen Lebensqualität zu bewahren und sich sicher zu fühlen.
© Artur Frank